Zeitzeugenbericht: Mein Name ist Karl-Heinz Beuck. Ich bin am 28. Dezember 1922 hier in Oldenburg geboren und auch aufgewachsen. In die Freiwillige Feuerwehr Oldenburg bin ich am 01. April 1949 eingetreten.

Mein Übertritt in die Reserveabteilung unserer Wehr erfolgte am 02. März 1979 und seit dem Januar 1988 bin ich Ehrenmitglied in unserer Wehr, und im Dienstgrad ,,Löschmeister‘‘ seit der Jahreshauptversammlung am 22. Februar 1980. Als die Reportage entsteht, bin ich einige Monate vor meinem 80. Geburtstag und fühle mich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, vor allem gesundheitlich wohl. Der Zweck meiner Erinnerungen dient dem Ziel, die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Oldenburg im Zeitgeschehen zu ergänzen. Die nachstehende Reportage aus meinem Leben wurde am 19. Februar 2002 in meiner Wohnung im Posener Weg vom Chronisten unserer Wehr, Hauptlöschmeister Günther Wulf, aufgenommen. Aus meinem persönlichen Leben habe ich wie folgt berichtet:
Mein Geburtshaus befand sich in der kleinen Schmützstraße Nummer 14. Hier wohnten wir anfangs mit meinen Eltern, Tanzmeister Karl Beuck und Ehefrau Gesine, sowie mit meinen Brüdern Kurt, Otto und Erich. Einer meiner Brüder ist im zweiten Weltkrieg gefallen. Später sind wir in die Schuhstraße 85 umgezogen, die Wohnung gehörte Frau Gössel. Zu Ostern im Jahre 1930 wurde ich eingeschult, in die Volksschule in der Johannisstraße, Fräulein von Harden war unsere Lehrerin. Im Jahre 1929/30 herrschte große Arbeitslosigkeit, auch hier in Oldenburg. Täglich musste im Rathaus gestempelt werden. Auch in vielen anderen Familien herrschte somit große wirtschaftliche Not. In den Durchschnittsfamilien gab es überwiegend vier bis fünf Kinder, oftmals aber auch noch mehr Nachwuchs. Nachdem wir unsere Schularbeiten gemacht hatten, spielten wir auf der Straße unter anderem mit Murmeln, Pickpahl, Schlagball und ähnliche Spiele.
Am Ende meiner Schulzeit, zu Ostern 1939, war es mein Wunsch, Musiker zu werden, aber daraus wurde nichts. Stattdessen ging ich ab dem 1. Mai 1939 zu der Gemüsegärtnerei Schmidt in den Oldenburger Bruch. Zu Beginn hatten wir zwei Treibhäuser und für die Feldarbeit ein Pferd. Die Arbeiten liefen jahresbedingt vom Frühjahr bis zum Herbst routinemäßig ab. Die Erzeugnisse aus der Gärtnerei wurden mit Pferd und Wagen weitgehend in die umliegenden Dörfer verkauft, zum Teil bis Lensahn oder Heiligenhafen.
Am 01. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Am Anfang des Krieges herrschte vor allem bei den jungen Leuten eine gewisse Begeisterung zum Militärdienst. Alle männlichen Bewohner ab dem 18. Lebensjahr mussten zur Musterung in das Hotel ,,Stadt Frankfurt“. Aufgrund der notwendigen Versorgung der Kasernen in Putlos, Heiligenhafen und dem Flugplatz in Großenbrode nahm der Bedarf an Gemüse und Produkten aus der Gärtnerei sehr stark zu, sodass ich der Ersatzreserve 1 zugeordnet wurde, das heißt, Rückstellung vom Wehrdienst. Großhändler mit Obst und Gemüse sowie Vermittler dieser Produkte war damals Otto Meier, genannt ,,Meier Schröder“, mit seinem Sitz am ,,Platterhof“ und vorher Ecke Markt und Hopfenmarkt, nahe ,,Eule“. Sofern das örtliche Angebot nicht ausreichend war, wurde vom Großmarkt in Hamburg zugekauft. Die Gärtnerei in dem Bruch hatte damals eine Größe von zirka 5 Hektar. Zur Verrichtung der notwendigen Arbeiten, mussten Frauen und auch Schulklassen hinzugezogen werden.
Im August 1944 musste auch ich zur Wehrmacht und wurde nach Hamburg Wandsbek eingezogen. Dort wurde ich bei der Panzereinheit ausgebildet. Im Jahre 1945 wurde ich in Folge meiner Ohrprobleme aus der Wehrmacht entlassen und kam unversehrt nach Oldenburg zurück. Seiner Zeit waren auch Lebensmittel rationiert und alle Mitbürger mussten ihre Lebensmittelkarten im Rathaus abholen. Die Versorgung der Bevölkerung war daher sehr dürftig. Zur damaligen Zeit war Herr Friedrichsen Bürgermeister unserer Stadt. Mit vielen anderen Oldenburger Bürgern kam ich sofort nach meiner Rückkehr aus Hamburg zum Bau von Panzergräben nach Dänemark und zwar in den Raum Krusau/Tinglev/Tondau. Diese Arbeiten dauerten bis Ende April 1945. Nach Ende dieser Arbeiten, wurden wir im Viehwagen der Reichsbahnen nach Oldenburg zurück gebracht. So kam ich wiederum zum Gemüsebau in den Bruch.
Am 08. Mai 1945 war der schreckliche Zweite Weltkrieg zu Ende. Die wagrische Halbinsel war angefüllt mit Tausenden Wehrmachtsangehörigen und Flüchtlingen von der britischen Besatzung. Das Bruchgelände wurde zum Sperrgebiet erklärt, wegen Diebstahlgefährdung. Die britische Besatzungsmacht wurde von Oberst Quäl angeführt. Als Zentrale diente ihm und seinem Stab die Villa Jessen in der Neustädter Straße, heute ist hier das Architektur Büro Evers Eigentümer. Die Sperrstunde begann abends um 22 Uhr und endete morgens um 06 Uhr.
In Neustadt war die Entlassungsstelle der Wehrmachtsangehörigen, von dort aus wurden die ehemaligen Soldaten in ihre Heimat entlassen. Der Flüchtlingsstrom aus dem Osten kam auch nach Oldenburg. Die Häuser der Bewohner mussten die Vertriebenen aufnehmen und waren deswegen Teilweise räumlich überbelegt. Zusätzlich wurden deswegen Baracken aufgebaut. Diese Baracken standen unter anderem auf dem heutigen Berufsschulgelände, dem sogenannten ,,Galgenberg“ und dem heutigen Schützenhof, beziehungsweise der Neustädter Straße und am Bruchweg. Für die Versorgung der vielen Bürger gab es nach wie vor Lebensmittelkarten bis etwa 1949. Weil Arbeitsmöglichkeiten fehlten, wurden viele Familien in der Folgezeit vor allem nach Westdeutschland umgesiedelt.
Im Juni 1948 kam die Währungsreform und jeder Bürger bekam zunächst 40 DM als pro Kopf Geld. Nach dieser Währungsreform war ein unglaubliches Angebot in den Geschäften vorhanden. Es gab wieder Südfrüchte und Süßigkeiten, die die Menschen lange Jahre entbehren mussten. An Arbeitsmöglichkeiten gab es anfangs die Spiegelfabrik Walter, Schuhfabrik Gabor und das aufstrebende Handwerk, denn ab Anfang der 50er Jahre erholte sich vor allem die Bauwirtschaft.
Die Aussiedlung der bäuerlichen Betriebe aus der Innenstadt in den Außenbruch in den 50er Jahren ist ebenfalls erwähnenswert. Mit vielen anderen Kameraden trat auch ich in unsere Freiwillige Feuerwehr ein. Namen wie Otto Ehrenberg, Rudi Boldt, Otto Kardel und Erwin Steffen sind unvergessen. Seinerzeit war Heinrich Jastorf Wehrführer. Unser Gerätehaus befand sich am Hopfenmarkt. Während des Krieges und der Nachkriegszeit war Oskar Grimm sowie Heinrich Jastorf auch für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig. Am Sonntagmorgen waren die Übungen angesetzt, unsere damaligen Fahrzeuge waren die TS 8, das LF 15 sowie das LF 25. Die Übungen fanden vor der Kirchzeit zwischen 09 und 10 Uhr statt. Als Übungsgelände diente der Schulhof, hier befindet sich heute die Wagrienschule und die alte Turnhalle. Festlichkeiten gab es nach dem Krieg vor allem ab den 50er Jahren. Im November die Jahresversammlung und die Maskeraden – Fastl Abend Ball der Gilde, Kindervogelschießen, die Tage der Rosen unserer St. Johannisgilde von 1192 sowie die Laternenumzüge. Vor allem die Festlichkeiten im Hotel ,,Stadt Frankfurt“ werden unvergessen bleiben.
So schließt sich für mich der Kreis der Erinnerungen in dem ich versucht habe einige Stationen aus meinem fast 80 jährigem Lebensabschnitt der Nachwelt weiterzugeben.

Fotos: 1.) Kreisspielmannszug 1963 - Den Kreisspielmannszug Ostholstein gab es von 1963 - 1992. Gegründet wurde er anlässlich der Einweihung der Fehmarnsundbrücke. Die Musikgruppe bestand aus Spielleuten der Freiwilligen Feuerwehren Burg auf Fehmarn, Heiligenhafen und Oldenburg. 2.) Kreisspielmannszug Ostholstein in den 70ern.

 

Aufgenommen:
G. Wulf, Hauptlöschmeister
als Chronist der Freiwilligen
Feuerwehr Oldenburg i.H.